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Tunesien
Weltenansicht Tunesien




Der Süden zeigt das andere Tunesien – Reisebericht einer Tunesien Rundreise

Tozeur, Chebika und Tamerza



Es ist kurz nach sieben, als wir im El Mouradi Tozeur (ein Drei-Sterne-Hotel) ankommen. Eine kurze Dusche, Kleidungswechsel, Abendessen und danach ab ins Bett. Morgen beginnt der Tag um 6 Uhr. Beim Frühstück höre ich am nächsten Morgen Beschwerden übers Hotel. Die Zimmer seien schmutzig und das Essen unter aller Kanone. Ich kann dem nicht zustimmen. Sicher, ich habe schon weichere Brötchen zum Frühstück gegessen. Das war allerdings nicht im Süden Tunesiens, in dem ein Drei-Sterne-Hotel eben nicht unbedingt das gewohnte Drei-Sterne-Hotel sein muss. Und bei der Vorstellung, was viele der hier im Süden lebenden Tunesier auf dem Frühstückstisch haben, kommt mir das meine atemberaubend vor. Allerdings muss ich zugeben: Das Rinderragout - dies behauptete zumindest das Schild am Buffet - von gestern Abend war allerdings etwas zäh.

Tozeur ist eine Oase mit gigantischen Palmenhainen und einer unbeschreiblichen Ruhe. Als wir am frühen Morgen in die grünen Palmenwälder eintauchen ist nichts anderes zu hören, als Vogelgezwitscher und das Getrappel der Pferde vor den Wagen. Mitten im Palmendschungel ein verlorener Händler, der vergeblich seine Ohrringe und Ketten an die Touristen zu verkaufen versucht. Und die Arbeiter des Palmenhaines, die artistisch in halsbrecherischer Höhe auf den Palmen herumklettern und Datteln abschneiden.

Mit über 400000 Palmen auf mehr als 1000 Hektar gilt es als die größte Palmenplantage Tunesiens. Ein gigantischer Palmengarten, der nicht nur die süßen Datteln liefert. Von der Palme wird alles verwendet: Vom Saft der Palme wird Palmenwein hergestellt, aus den Blättern Körbe geflochten und die Palmenstämme dienen zur Produktion von Balken und Platten. Und Selbst die Dattelkerne gelten als Leckerbissen für die Kamele.

TozeurTozeur

Nach dem Spaziergang unter Palmen machen wir einen kurzen Rundgang durch die Medina von Tozeur. Ein Labyrinth von kleinen Gassen und Geschäften mit Kleidung, Schuhen, Töpfereien, Backwaren und und und...Wer hier was kaufen will, braucht allerdings gute Nerven. Sich in einem der vielen Läden einfach nur umzuschauen ist fast unmöglich. Schon nach wenigen Sekunden hat man einen ohne Unterbrechung schwätzenden Verkäufer am Wickel, der einem alle möglichen Souvenirs anzudrehen versucht. Ich bleibe in einem Kleiderladen hängen, der dem Kaufhaus Hertie Konkurrenz machen könnte. „Du nur gucken und dann kaufen”, meint der Ladenbesitzer mit dem Namen Sidi und zieht mich am Ärmel durch sein Geschäft. Nach der Tour durch drei bis zum Bersten gefüllte Stockwerke und einem ununterbrochenen Wortschwall lässt mich der sichtlich enttäuschte Sidi schließlich aus seinen Klauen. Ohne Souvenir und mit leichten Kopfschmerzen ziehe ich von dannen.

Beim Metzger zwei Gässchen weiter bietet sich neben dem allgegenwärtigen Ben Ali-Plakat ein ungewöhnlicher Anblick: der Kopf eines frisch geschlachteten Kamels hängt über dem Tresen und daneben die vier abgehäuteten Kamelbeine. Kamelfleisch zum Abendessen? „Eine Delikatesse”, plärrt mir der bärtige Metzger entgegen, als er meine skeptische Miene sieht. „Und sehr billig”. Letzteres glaube ich ihm ungesehn. „Das Kamelfleisch ist ähnlich wie Rindfleisch, nur trockener und zäher”, klärt mich Sami später auf. „Das wird hier nur in Form von Eintöpfen und mit viel Sosse gegessen.” Unwillkürlich taucht in meiner Erinnerung das Rinderragout von gestern Abend auf. Das wird doch nicht etwa......?

OaseBergoase

Während dessen geht die Fahrt weiter nach Chebika, einer der Steinoasen in den Bergen südlich von Tozeur. Die Straße ist erstaunlich gut ausgebaut und führt zu einer Ruinenstadt auf einem Hügel über der eine aus Stein gehauene riesige Gemse thront. Zwei Cafes und Souvenirläden und ein herrlicher Ausblick in eine Schlucht, die mit unzähligen Dattelpalmen bewachsen ist. Der Weg in die Schlucht ist steil und führt durch Felsspalten zu einem kleinen See, der durch einen Wasserfall gespeist wird. Herrlich. Zeit für einen Minztee und weiter geht es nach Tamerza, der größten Bergoase Tunesiens. Einer verlassene Ruinenstadt, herrliche Canyons und ein prachtvoller Wasserfall. Die Souvenirläden für die Touristen dürfen natürlich nicht fehlen. Einer der Händler versucht mir eine in einer Plastikflasche gefangene giftige Schlange anzudrehen. „Für die Schwiegermutter”, meint er mit tödlich ernster Miene. Ich verzichte dankend. Das kann ich der armen Schlange nicht antun.

Weiterreisen ...

Im sechsten Kapitel des Reiseberichts „Der Süden zeigt das andere Tunesien” geht die Tunesien Rundreise nach: