HomeReisefotografie   |   ReiseinfosLänderinfos

 Insel Rügen | Nationalpark Jasmund
Weltenansicht Mecklenburg Vorpommern

Rügen Guide


Wandern im Nationalpark Jasmund, Rügen


Auf Rügen, Deutschlands größter Insel, befindet sich der kleinste Nationalpark: Jasmund. Ich unternahm eine ausgedehnte Tageswanderung im Jasmund Nationalpark, hatte einen wunderbaren Blick vom Königsstuhl über die Ostsee und besichtigte die Kreidefelsen in der Morgensonne, wenn die Sonnenstrahlen die weiße Kreide besonders gut zur Geltung bringen und noch keine Menschenmassen unterwegs sind.

Wie gelangt man zum Jasmund Nationalpark?
Welches sind die besten Ausgangspunkte?
Welche(n) Route/Ausgangspunkt wählte ich?
 
Aber wie gelangt man am besten zum Jasmund Nationalpark?
Das Eingangstor nach Rügen, von Rostock kommend (B 1o5), ist der Rügendamm. Dabei ist jedoch daran zu denken, daß der Rügendamm über eine Brücke passiert wird und diese in bestimmten Intervallen für den Verkehr gesperrt ist.

Brückenöffnungszeiten täglich von:
o2:3o - o2:5o Uhr
o5:2o - o5:4o Uhr
o9:2o - o9:4o Uhr
17:2o - 17:4o Uhr
21:3o - 21:5o Uhr
( Für Autoverkehr gesperrt! )

Von Stralsund über den Rügendamm nach Altefähr weiter nach Samtens --> Bergen --> Sassnitz evt. Hagen erreicht man nach ca. 5o km den Nationalpark.
Von Greifswald kommend (B 96), kann man den Rügendamm, an dem es des öfteren zu Stauproblemen kommt, durch die Fährverbindung Stahlbrode-Glewitz umfahren. Die Fähre verkehrt täglich im 2o Minuten-Rhythmus.

Fährverbindung vom o1.o4.-31.1o.:
täglich ab 6:oo Uhr von Stahlbrode nach Glewitz
letzte Überfahrt: 21:4o Uhr

Von Glewitz weiter nach Garz --> Samtens --> Bergen --> Sassnitz. Von Sassnitz aus kann man den Nationalpark Jasmund noch mit dem Pkw bis Hagen durchqueren. Dann ist Schluß.
 

Welches sind die besten Ausgangspunkte?
Es gibt drei Ausgangspunkte für Wanderungen. Der nördlichste ist Lohme, der südlichste ist Sassnitz und der westlichste und beste ist Hagen. Der Parkplatz ist die letzte Möglichkeit den eigenen Pkw oder das Wohnmobil abzustellen ( für Wohnmobile extra Stellmöglichkeiten ). Vom hier werden täglich vom o1.o4. bis 3o.o9. ab 11:oo Uhr kostenlose Führungen zum Königsstuhl angeboten. Wem die 3 km zum Königsstuhl allerdings zu weit erscheinen, der kann auch den Bus-Shuttleverkehr vom Parkplatz nutzen.
Vom Buswendeplatz Wedding ( Ortende Sassnitz ) werden täglich vom o1.o4. bis 3o.o9. ab 1o:oo Uhr Führungen zu den Wissower Klinken durchgeführt. Diese dauern ca. 2 Stunden.
 

Und welche(n) Route/Ausgangspunkt wählte ich?
Nachdem ich ein Jahr zuvor schon einmal den Nationalpark Jasmund besucht hatte und damals eine Art Völkerwanderung erleben konnte bzw. mußte, zog ich es dieses Mal vor, kurz nach Sonnenaufgang ca. 4:3o Uhr meine Wanderung durch den Park zu starten. Als Ausgangspunkt nutzte ich den Parkplatz Hagen ( Tagesticket für Pkw 5,2o Euro ). Ab 9:oo Uhr starten hier die ersten Shuttlebusse im 2o Minutentakt zum Königsstuhl. Aber bis dahin hatte ich ja genügend Zeit um die 3 km zum Königsstuhl in aller Ruhe zu erwandern...

... Ausgerüstet mit dem nötigsten an Getränken, Snacks und meiner Kamera begab ich mich auf den 3 km Wanderpfad, der im übrigen nur zu Fuß ( auch nicht mit Fahrrad ) zurücklegt werden darf. In den angenehm kühlen Morgenstunden führte mich der Weg durch dichten Buchenwald, entlang des alten Torfmoors, einiger Sitka-Fichten und einem Sumpfgebiet, welches mit Erlen bestückt war. Immer wieder hatte ich Begegnungen mit Damwild und anderen Reharten und konnte die Nachtaktiven Eulen bei ihren letzten Flugaktivitäten beobachten...

 Herthasee ... Nach 1,8 km Wegstrecke erreichte ich den Herthasee.
Die Göttin Hertha wohnte in alten Zeiten in der Herthaburg. Nach anstrengenden Tagen pflegte die Göttin in dem Waldsee zu baden. Diener und Dienerinnen, die bei diesen Zeremonien halfen, wurden anschießend im Harthasee ertränkt, um nichts von dem Gesehenen verraten zu können, so die Sage.
Der See entstand vermutlich in der letzten Eiszeit. Beim Zurückweichen des Eises blieb ein großer Eisblock liegen, taute erst später ab und es entstand eine 11m tiefe Senke.

Nach weiteren 1,2 Kilometern sinnlichster Wanderstrecke erreichte ich den menschenleeren Shuttleparkplatz, auf dem ab 9:oo Uhr das Treiben beginnt. Dann öffnen auch die gastronomischen Einrichtungen und Informationsstellen.
Ich legte eine kurze Pause auf dem Aussichtspunkt Königsstuhl ein, warf einen ersten Blick auf die Kreidefelsen, ehe ich mich auf den Weg hinunter zum Geröllstrand machte.
 Wanderweg Von meinen Vorjahresbesuch her wußte ich was mich erwartet. Ein sehr anstrengender Abstieg über eine Holztreppe, welche 1996 fertiggestellt wurde. 11o m Höhenunterschied und 412 Stufen galt es zu überwinden, um an den Strand zu gelangen. Auf geht's...

Die Holztreppe ist die einzige Verbindung vom oberen Wanderweg und dem Strand. Das heißt, wer die Kreidefelsen über sich thronen lassen will, der muß den selben Weg auch wieder hinauf.
Auf dem Weg nach unten gibt es drei "Ruheplätze". Man überquert einige kleinere Rinnsaale und ist durch den dichten Waldbestand vor der Sonne geschützt.
Gegen 6:oo Uhr erreichte ich schließlich den menschenleeren Strand und sah die weißen Felsen, wie sie über dem dichten Grün der Bäume, in den Morgenstunden schimmerten...

Nun wurde es Zeit für mich mein zweites Frühstück zu mir zu nehmen, da ich ja noch nicht einmal ein drittel meiner Wanderroute zurückgelegt hatte. So stand also eine längere Ruhepause am Strand bevor...

 Königsstuhl Ich genoss die ersten wärmenden Sonnenstrahlen, lauschte dem Meeresrauschen und dem Schreien der Möwen, widmete mich der Nahrungsaufnahme und drückte anschließend ein paar mal auf den Auslöser meiner Kamera um den 118 m hohen Königsstuhl einzufangen...
Im Vordergrund der steinige Strand der Kreideküste und im Hintergrund sticht der Königsstuhl aus dem dichten Wald hervor...

Der Sage nach war dieser Felsen bei der Königswahl entscheidend. Wem es gelang, von der Seeseite aus den Felsen zu erklimmen, wurde auf einem Stuhl aus Stein zum König gekrönt.

Ich machte mich wieder auf den Weg nach oben, wobei es mir vorkam als wenn ich den Aufstieg viel schneller bewältigte als den Abstieg. Oben angekommen betrat ich ein zweites Mal den Königsstuhl, eine natürliche Plattform auf einem 118 m hohen Kreidefelsen. Ab 9:3o Uhr bis 18:oo Uhr muß man übrigens eine geringe Eintrittsgebühr von vielleicht einem Euro bezahlen, um den Königsstuhl betreten zu können.

 Sicht vom Königsstuhl Im 199o gegründeten Nationalpark ist auch der WWF Deutschland aktiv. Kern eines neuen Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL ist eine fantasievolle Ausstellung, die den Besuchern ab März 2oo4 Herz und Sinne öffnet für die verborgenen Geheimnisse "wilder" Natur.

 Wegweiser Überall im Nationalpark stößt man auf solche Wegweiser, so das man ohne weiteres die verschiedenen Wanderwege des Park ohne Führer begehen kann. Meist findet man auf den Schildern auch Kilometeranzeigen. Von hier ( dem Bereich des Shuttlebusses und des Königsstuhls ) sind es noch weitere 8 km am oberen Rand der Kreideküste entlang bis nach Sassnitz, dem südlichsten Punkt des Jasmund Nationalparks.

Ich war mir nicht sicher ob ich diesen Wanderpfad nach Sassnitz zurücklegen sollte. Eine andere und wesentlich leichtere Übung wäre es, den gleichen Weg zurück zu nehmen, welchen ich auch gekommen war. Um dann eine zweite Toure von Süden her zu starten.
Kurzentschlossen wanderte ich erst mal los. Nach 8oo m erreichte ich den Aussichtspunkt "Victoriasicht". Der Weg war vielversprechend mit grandiosen Ausblicken. Das machte mir Mut.
 Victoriasicht
Die bizarren Kreidefelsen welche schon Caspar David Friedrich 1818 auf Papier brachte und ihn weltberühmt machten, beeindruckten auch mich.

 Wanderweg Doch der Weg entlang der Randstufe war zwar schön, aber recht anstrengend. Und so entschloss ich mich, da meine Wasservorräte dem Ende zu gingen und auf dem Weg kein Kiosk zu sein schien, umzukehren und einen zweiten Ausflug von Süden her zu starten. Ich begab mich also zurück nach Hagen...

Die ersten Wanderer kreuzten meinen Weg, die Temperaturen stiegen allmälig merkenswert an. Langsam merkte ich auch die bereits zurückgelegte Strecke in meinen Beinen. Doch war ich von der Natur so überwältigt und angespornt, daß ich sogar noch einen Umweg zu der Herthaburg machte, sie aber leider nicht fand. Dafür erblickte ich entlang des Weges ständig andere interessante Erzeugnisse der Natur, wie z.B. zahlreicher solcher Fließgewässer.
Die größeren Bäche entspringen in Quellmooren des Hochbereiches und fließen frei mäandrierend durch den Buchenwald zum Steilufer. Dort strömt das Wasser mit hoher Geschwindigkeit und stürzt zum Teil über kleine, für Mecklenburg-Vorpommern jedoch gewaltige, Wasserfälle die Hänge hinab zum Strand.

Inzwischen war es bereits später Vormittag, als ich den Parkplatz von Hagen verließ und von Süden her den Park erkundete.
Von der Piratenschlucht in Sassnitz bis zur Ernst-Moritz-Arndt-Sicht, welche ich noch erreichen wollte, waren es erneut 3 km. Nur wußte ich diesmal nicht was mich erwartete...
Es war ein Marsch bei brütender Hitze, der nur durch den Schutz der Bäume erträglich wurde. Und nichts mit einem gemütlichen Wanderweg wie auf meiner morgendlichen Route. Der Pfad entlang der Kreideküste ging bergauf und bergab, die ganzen drei Kilometer. Und für Norddeutsche Verhältnisse waren es wirklich Berge. Auch war die Natur lange nicht so abwechslungsreich. Sie erinnerte mich sehr stark an die Steilküste von Warnemünde nach Wilhemlshöhe.

 Wissower Klinken Aber die Ernst-Moritz-Arndt-Sicht und auch der Blick auf die Wissower Klinken und weitere Kreidefelsen entlang des Weges entschädigten mich für die Strapazen. Auch war es für mich kein Wunder mehr, dass die bizarren weißen Kliffs, in 7o Millionen Jahren aufgetürmte Reste von mikroskopisch kleinen Einzellern, zum Wahrzeichen der Insel Rügen und des Nationalparks Jasmund wurden. Für mich steht fest, daß Deutschlands größte Insel - Rügen, auch die schönste ist!

Mein Fazit: Wer nicht ganz so Flott auf den Beinen ist, sollte dringlichst den Shuttleservice in Anspruch nehmen. Die Treppe runter zum Strand hat es in sich!